Ein
lesenswertes Buch
Das erste Buch über Trump („Fire and Fury“, auf Deutsch erschienen
unter dem Titel "Feuer und Zorn")
von Michael Wolff hat sich zum Bestseller praktisch in aller Welt
entpuppt. Reißerisch geschrieben, war es eine klare Abrechnung vom
früheren Berater Stephen „Steve“ Bannon gegenüber seinem früheren Chef
Trump, der ihn aus dem Weissen Haus rausschmiss und inzwischen auch
„begraben“ hat.
Entsprechend auch die Akzeptanz oder Ablehnung (je nach Sympathielage)
des Buches. „Fire and Fury“ hat inzwischen Bannon seinen Job und seine
journalistische Plattform bei „Breitbart“ (www.breitbart.com) gekostet.
Und zudem noch eine Zwangsvorlage vor dem Geheimausschuss des
Kongresses und vor allem von Sonder-Untersucher Mueller eingebracht.
Bannons Renitenz – vorerst verweigert er die Aussagen – wird ihn noch
weiter ins Abseits befördern. Er hat sich mit den falschen Leuten
angelegt…
Das lesenswerte
zweite Buch
Inzwischen ist ein zweites Buch über Trump erschienen. Das mit seiner
Sachlichkeit extreme Wucht bezieht. Der schlichte Titel „Trump im Amt“
ist vom US-Investigativ-Journalisten und Pulitzerpreisträger David Cay
Johnston (69) geschrieben. Inzwischen ist es schon auf Deutsch
erschienen.
Inhaltlich bietet es uns wenig Sensationen, aber dafür ist es eine sehr
gute Gesamtschau der wichtigsten Skandale, der Klagen und Vorwürfe,
Halbheiten und Merkwürdigkeiten, Fehltritte und Pleiten, die Trump
täglich begleiten…
Das Buch ist, besonders im Blick auf den Trump-Besuch am Davoser WEF,
sehr lesenswert. Wir fassen für Sie kurz die wichtigsten Highlights
zusammen:
„Zunehmend erratisch, faul – manchmal arbeitet er nur fünf Stunden –
und offen rassistisch.“
Johnston zeichnet Trump ohne Mitleid: „Ein Trickbetrüger und bösartiger
Narziss mit der emotionalen Reife eines Dreizehnjährigen.“
Der seine Schulden nicht bezahle, Leute übers Ohr haue, windige
Geschäfte liebe, Verbindung zur Mafia habe. Kurzum, eine gestörte
Persönlichkeit, aufmerksamkeits- und rachsüchtig, ungetrübt von
jeglicher Kenntnis von Politik oder Welt.
„In der Präsidentschaft Trump geht es jedoch einzig und allein um
Donald Trump. Punkt. Ende“…
Die Vorwürfe Johnstons sind happig: „Trump hat in Windeseile eine
Kleptokratie eingeführt, deren einziges Ziel die Gewinnmaximierung ist.
Dabei kennt sich Trump in Finanzökonomie überhaupt nicht aus!“
Im gesamten Staatsapparat sieht Johnston „politische Termiten“, von
Trump installiert, um hinderliche Regulierungen abzubauen.
Der Pulitzerpreisträger Johnston schildet den Abbau ganzer Abteilungen
in Ministerien, die Trump politisch nicht mehr genehm waren. Speziell
genannt sind Arbeitsplatzsicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz,
tiefe Eingriffe in das Justiz- oder das Bildungssystem sowie die
Demontage der Wissenschaften…
„Trump ist der Kopf einer Gang. Und diese Milliardärsbande hat
klargemacht, dass sie jeden republikanischen Abgeordneten zerstören
wird, der sich ihr in den Weg stellt.“
Johnston sieht gar das Fortbestehen der republikanischen Partei
existenziell bedroht. Die USA seien zu einer „Kakistokratie“
(Herrschaft der Schlechtesten einer Gesellschaft) verkommen.
Doch Trump hat – langsam, aber sicher – viele in der Mitte aufgeweckt,
ebenso Liberale und Progressive. Wir werden im November herausfinden,
ob sich dieses Erwachen in Wählerstimmen umsetzt. Dann sind
Kongress-Erneuerungswahlen…
Johnston fasst zusammen: „Amerikas Demokratie ist schon sehr viel
länger in Gefahr.“ Dass Millionen für einen „von Fakten unbeleckten
Trickbetrüger“ gestimmt haben, sagt mehr über Amerika aus als über
Trump. „Trump ist nicht die politische Krankheit, die die USA befallen
hat, sondern ihr Symptom.“ Ein wirklich lesenswertes Buch…
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