Nordmazedonien
Leben im Ausland 08/2020 berichtet:
Mal
ehrlich: Wenn Sie sich Gedanken machen, in welchem Land es besonders
vorteilhaft ist, seinen Geschäften nachzugehen, hätte Sie da an
Nord-Mazedonien gedacht? Dabei gehört das kleine Binnenland auf dem
Balkan laut einer „Doing Business“ Studie aus 2016 zu den zehn Ländern
mit den besten Bedingungen für Unternehmer, was nach Neuseeland für die
am zweitschnellsten wachsende Wirtschaft sorgt. Auslöser seien radikale
Reformen in 2014, die große Wirkung zeigten. Vor allem Skopje,
Hauptstadt, Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes mit 700.000
Menschen und jährlichem Wachstum von 4%, sei ein Magnet für Investoren,
die hier von moderner Infrastruktur und niedrigen Steuern profitieren.
Vielleicht hat ja die Anziehungskraft auch damit zu tun, dass es
Staatsbürgerschaft und Pass zu kaufen gibt, was visafreies Reisen in
192 Länder erlaubt, darunter in alle Länder des Schengen-Raums. So die
Info von Global Citizenship Investment,
ein privater Dienstleister für Einwanderung, Staatsangehörigkeit und
Zweitpass. Die Staatsbürgerschaft bekommt man für 400.000 €, womit
sieben Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen werden. Ein Jahr
später kann der Antrag auf Einbürgerung gestellt werden, der in drei
Monaten bearbeitet werde.
Künftige Pläne sehen angeblich vor, dass es auch mit einer Beteiligung
an einem Joint Venture in Höhe von 250.000 € und einer Wartezeit von
3-6 Monaten getan ist, und ab 2021 mit einer Spende von 120.000 € für
ein Sozialprojekt oder einer 200.000-€-Beteiligung an einem privaten
Investment Fund. Zu diesen Kosten kommen diverse Honorare, Gebühren und
sonstige Kosten von 80.000 bis 100.000 €, die bei Ablehnung offenbar
verloren sind.
Für reiche Russen und Chinesen ist Mazedonien das offene Tor in die EU
Ich gehe mal davon aus, dass es für einen EU-Bürger nicht auf den
ersten Blick ersichtlich ist, warum er einen Betrag in dieser Höhe
ausgeben soll, um Bürger von Mazedonien zu werden. Anders sieht es
freilich für einen Russen, Chinesen oder sonstigen Staatsangehörigen
mit einem gutgehenden Unternehmen aus, der sich frei im vereinten
Europa bewegen will. In dem Fall handelt es sich bei dem Angebot
höchstens um Peanuts, so dass es durchaus seine Logik hat, wenn der
Standort Skopje auf diese Weise hohe Kapitalströme verzeichnet, zumal
es in Mazedonien keine Vermögenssteuer gibt und Gewinne nur mit 10%
besteuert werden.
Die
Staatsbürgerschaft gilt lebenslang und schließt das Recht auf Wohnung
und Arbeit in Mazedonien ein, was bei derartigen Programmen durchaus
nicht selbstverständlich ist.
Nordmazedonien: Seit 29 Jahren mit gebrochenen Versprechen hingehalten
Wenn hier von Mazedonien die Rede ist, so handelt es sich genau
genommen um die Republik Nord-Mazedonien, früher Freistaat Mazedonien
im sozialistischen Jugoslawien. Da lag Skopje am berüchtigten Autoput,
den jeder mit Horror in Erinnerung hat, der jemals zwischen hunderten
LKWs mit dem Auto nach Griechenland fuhr.
Seit 1991 ist Mazedonien selbstständig und seit 1993 Mitglied der UNO.
Um den jahrelangen Streit um den Namen mit Nachbar Griechenland zu
beenden – dessen Nordregion ebenfalls Mazedonien heißt – und um
Beitrittsverhandlungen mit der EU und der NATO nicht länger zu
blockieren, wurde der Name 2018 offiziell in Nordmazedonien geändert.
Das mit der EU wird wohl noch etwas dauern, obwohl Skopje schon seit
vielen Jahren mit Brüssel verhandelt, längst alle Bedingungen erfüllt
hat und seit 15 Jahren als offizieller Beitrittskandidat gilt.
Kritiker mahnen, Mazedonien werde schon seit 29 Jahren aus dem Ausland
unter Druck gesetzt und mit gebrochenen Versprechen hingehalten, und es
sei ein wahres Wunder, dass die Menschen dort den Glauben an das
vereinte Europa nicht längst aufgegeben haben. Aber wer weiß,
vielleicht haben sie das ja, nur die Regierung noch nicht.
Immerhin ist Mazedonien in puncto Reisefreiheit bereits einem
EU-Mitglied gleichgestellt. Als jetzt alles klar schien für
Beitrittsverhandlungen, legte Macron gegen die Position der
EU-Kommission sowie aller anderen 27 Staaten ein Veto ein; offenbar
seine übliche Taktik, solange nicht die komplette EU seinen Reformideen
folgt.
Auch wer 8 Jahre illegal in Mazedonien lebt, kriegt die Staatsbürgerschaft
Das kleine Land von etwa einem Drittel der Größe Bayerns darf sich
durchaus als Einwanderungsland bezeichnen – wobei freilich die
wenigsten Einwanderer ein paar hunderttausend Euro mitbringen. Bis 2014
sind mehr als 100.000 Menschen eingewandert, und aktuell wächst die
Gesamtbevölkerung von rund 2 Millionen jedes Jahr um einige tausend
Neubürger aus Albanien und dem Kosovo. Die stellen zwar keine
wirtschaftliche Bereicherung dar, dürfen sich aber auf Verwandte oder
Ahnen im Land berufen – und wenn das nicht funktioniert, heiraten sie
eben.
Ein recht kurioser Paragraf im mazedonischen Gesetzbuch besagt, dass
die Staatsbürgerschaft auch allen Ausländern zusteht, die nachweisen,
mindestens 8 Jahre illegal in Mazedonien gelebt zu haben –
vorausgesetzt, sie können für ihren Lebensunterhalt sorgen, sind nie
ernsthaft mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und sprechen die
Landessprache. Für diese liberale Einwanderungspolitik wird die
Regierung immer wieder von der Opposition kritisiert, mit dem Vorwurf,
sie tue dies nur, um neue Wähler einzubürgern.
Ein Land für Unternehmer: Wo Sie für 44 Euro an einem Tag eine GmbH gründen
In einer Studie der Weltbank, in der es darum geht, wie einfach es ist,
in einem Land Unternehmer zu werden, landete Mazedonien vor einem Jahr
unter 190 Ländern an 17. Stelle. Übliche Firmenform, die einer GmbH
entspricht, ist die Drustvo so ogranicena Odgovornost oder kurz DOO.
Deren Anmeldung passiert an einem Tag und kostet 44 Euro. Dazu kommen
natürlich die Vorbesprechungen und das Honorar eines Beraters. Die
Arbeitslosigkeit liege auf einem Rekordtief, das Vertrauen in die
Wirtschaft auf historischem Hoch, sagt die Weltbank.
Steuern sind generell niedrig. Für Unternehmen gibt es eine Flattax von
10%, und der normale MwSt.-Satz liegt bei 18%. Das Steuersystem ist
ziemlich unkompliziert, und im Handelsrecht sind nur wirklich wichtige
Dinge vorgeschrieben.

Dividenden ortsansässiger Firmen sind steuerfrei, weil deren Gewinne
bereits versteuert sind. Wer Dividenden aus dem Ausland erhält, muss
diese in der Regel versteuern. Kapitalerträge werden wie normale
Gewinne versteuert. Bei der Zahlung von Dividenden oder Tantiemen an im
Ausland ansässige Empfänger werden 10% Quellensteuer einbehalten.
Allerdings gibt es Doppelbesteuerungsabkommen mit 48 Ländern, so dass
diese Quellensteuer oft angerechnet wird.
Regiert wird Nord-Mazedonien übrigens wechselweise von gemäßigten
Sozialdemokraten oder Konservativen. Die liegen meistens deutlich
vorne, aber bei der letzten Wahl im April verloren sie knapp. Die Wahl
war vorgezogen worden, weil wieder einmal die Gespräche mit Brüssel
geplatzt waren, obwohl Mazedonien alle Forderungen erfüllt hatte.
Kommunismus hat im Land keine Chance, was durch die jüngere Geschichte
innerhalb Jugoslawiens verständlich ist, aber leider nicht
selbstverständlich.
Eine tolle Hauptstadt und viel Natur
In
den letzten Jahren ist auch der Tourismus für die Wirtschaft immer
wichtiger geworden. Zuletzt kamen jedes Jahr immer etwa 700.000
Besucher aus dem Ausland, etwa so viele, wie Skopje Einwohner hat. Wenn
ein Land keine Strände hat, sondern höchstens ein paar Seeufer, dann
muss es sich natürlich etwas einfallen lassen, um gegen Kroatien oder
Montenegro zu punkten – und im Fall von Mazedonien heißen die Argumente
Natur und Kultur. Von Deutschland aus ist Skopje mehrmals pro Woche mit
dem ungarischen Billigflieger Wizz Air von vielen Städten für wenig Geld direkt zu erreichen, aus Wien mit Austrian, und aus Zürich mit Swiss.

Das ganze Land ist ja nicht besonders groß, die Entfernungen sind kurz.
Erstes Ziel ist natürlich Skopje, dazu gleich mehr. Wer mehr auf Natur
steht, muss nicht weit fahren zu spektakulären Orten wie dem Matka Canyon oder dem Mavrovo Nationalpark
mit seinem Stausee, dem die Kirche Sveti Nikola zum Opfer fiel, die je
nach Jahreszeit und Wasserstand noch mehr oder weniger aus dem Wasser
ragt und im Hochsommer auch mal ganz zu sehen
ist.
Matka Canyon

Viel besucht ist auch der Ohrid See, geologisch ältester See Europas, an der Grenze zwischen Mazedonien und Albanien. Größte Stadt am See ist das gleichnamige Ohrid
mit 42.000 Einwohnern und 365 Kirchen, eine für jeden Tag des Jahres.
Das brachte der Stadt den Namen „Jerusalem des Balkans“ ein sowie die
Auszeichnung als UNESCO-Weltkulturerbe.
Eine der 365 Kirchen in Ohrid >>
Das Haus von Mutter Teresa ist beleuchtet wie eine Diskothek
Historisch
hat Mazedonien eine recht verworrene Geschichte. Das alte Mazedonien
ist heute auf Nordmazedonien, Griechenland und Bulgarien verteilt, was
immer wieder zu Streit führt, wer was beanspruchen darf. Zum Beispiel
Alexander der Große, den die Griechen einen von ihnen nennen, und den
Skopje mit einer Statue am Macedonia-Platz ehrt. Oder Mutter Teresa,
die heilige Teresa von Kalkutta, Trägerin des Friedens-Nobelpreises,
als dieser noch was galt. Geboren, als Skopje noch Üsküp hieß, wo ihr
Geburtshaus bei Nacht pink angestrahlt und oft mit einer Diskothek
verwechselt wird.
Irgendwie passt das zu Skopje, diese skurrile Mischung aus historischen
Gebäuden, hässlichsten Kommunismus-Bauten nach dem Erdbeben 1963 und
hochmoderner Architektur, seit 2010 beschlossen wurde, die Stadt mit
rund 560 Mio. Euro aufzupeppen. Das Resultat der Architekten,
Stadtplaner und Beleuchter war für viele Menschen von Skopje vor allem
anfangs ein Schock, aber spektakulär ist es allemal.
Ein Triumphboden ohne Triumphe und mitten im Fluss ein Piratenschiff
Während Mazedonier auf drei Länder verteilt sind, ist Mazedonien voller
Albaner, Türken, Serben, Kosovaren, Roma und unzähliger Minderheiten,
ohne dass es zu nennenswertem Streit kommt. Aber alle reden gern über
Politik, und sobald Sie mit einem ins Gespräch kommen, dauert es nicht
lange und Sie wissen zweifelsfrei, dass er Griechenland nicht mag, und
dass ihm Brüssel und die EU immer mehr suspekt werden. Am besten sagen
Sie ihm, das ist noch gar nichts im Vergleich dazu, was er darüber
denken wird, wenn sein Land tatsächlich irgendwann einmal in der EU
sein
sollte.
Der oben erwähnte Mavrovo Park:

In Skopje haben Sie auf der einen Seite des Vardar-Flusses die
Innenstadt der Mazedonier, und wenn Sie 214 Meter über die Brücke
gehen, sind Sie mittendrin in der Altstadt von Klein-Albanien. Oft
fühlen sich Besucher an Las Vegas erinnert. Andere an Disneyland. Sogar
ein Triumphbogen musste her, obwohl es nicht viele Triumphe gab. Mitten
im Vardar-Fluss steht ein Piratenschiff, auf den Straßen sind
Doppeldecker-Busse unterwegs, und wenn mitten im Juli aus Lautsprechern
Weihnachtslieder tönen, muss das auch nicht weiter wundern.
Mazedoniens Metropole: Eine der preiswertesten Hauptstädte in Europa
Einen Besuch ist Skopje allemal wert. Egal ob Sie nur ein paar Tage
kommen oder ob Sie womöglich einige Zeit bleiben: Sie werden erfreut
feststellen, dass Mazedoniens Metropole eine der preiswertesten
Hauptstädte in Europa ist. Das gilt für Hotels ebenso wie für die
vielen guten Restaurants und das spannende Nachleben mit Cocktailbars
wie Drinker’s Paradise, und es trifft auch zu, wenn Sie sich in Skopje
eine Wohnung suchen. Alles ist hier gut ein Drittel billiger, als Sie
es auch Deutschland gewohnt sind.
Nord-Mazedonien Infos
Offizielle Während: US-Dollar
1 Euro = 61 Denar (MKD)
1 Denar = 1,6 Cent
Deutsche Botschaft in Nordmazedonien: https://skopje.diplo.de/mk-de
Handelskammer: https://nordmazedonien.ahk.de/
Vertretungen von Nordmazedonien: https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/vertretungennordmazedonien/207606
Sprache: Mazedonisch, Albanisch
Spannung: 230 Volt (kein Adapter)
Zeit: MEZ
Klima: Übergang zwischen mediterran und kontinental. Kalte Winter und warme, trockene Sommer. Nur kurzer Frühling und Herbst
Einreise: Ausweis bis 90 Tage
Anreise: Mit dem Auto München bis Skopje 1.366 km, Fahrzeit ca. 12 Stunden.
Direktflug mit Wizz Air von mehreren Städten nach Skopje ab ca. 40
Euro. Skopje Airport liegt in Petrovec 15 km von Skopje. In die Stadt
14 Euro mit dem Taxi, billiger mit Shuttle Bus.
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