Wie
geht's weiter an der Börse
im Herbst 2015?
Viel hat sich
bereits getan in diesem Börsenjahr und die Zukunft scheint alles
Mögliche bereit zu halten. Für den Experten Hans-Peter Holbach,
der seit über 4 Jahrzehnten erfolgreich an den Börsen der Welt agiert,
ist das alles gar nicht so nebulös. Seine klare Einschätzung:
Nun schauen wir Börsianer besorgt nach vorne. Schließlich steht mit dem
September der statistisch schwächste Börsenmonat des Jahres noch bevor.
Mitte des Monats fällt eine vieldiskutierte Entscheidung: Hebt die
US-Notenbank (Fed) zum ersten Mal nach vielen Jahren den Leitzins an?
Wäre das womöglich eine Art externer Schock, der wieder einen
Kursrutsch am Aktienmarkt auslöst? Solch ein Szenario fürchten selbst
die US-Notenbanker, weshalb nun immer mehr Stimmen (neu auch die
Barclays Bank) von einer Leitzinserhöhung erst im März 2016 ausgehen.
Die Geldbrief-Redaktion hatte diese provokante These bereits im Mai
(siehe Geldbrief 09/2015) vertreten.
Insbesondere die fragile Verfassung vieler Emerging Markets (China,
Brasilien, Russland, Türkei) dürfte das Fed genau im Blick haben (hohe
Kapitalabflüsse aus den bisherigen „Zukunftsmärkten“). Letztlich sieht
sich die US-Notenbank auch dem Kriterium „Finanzmarktstabilität“
(inoffiziell) verpflichtet und wird entsprechend vorsichtig agieren.
Der starken Kurserholung der vergangenen Tage (plus 900 Punkte von den
Intraday-Tiefstständen am „Schwarzen Montag“) trauen viele
Marktteilnehmer noch nicht (Bear-Market-Rallye?). Gut möglich, dass der
Markt die Tiefs von Mitte August noch einmal testet. Erst dann ist die
vollständige Kapitulation der Bären abgeschlossen.
Aber keine Angst: Bis zum Jahresende werden wir höhere Kurse erleben
und später wird sich der „Schwarze Montag“ nur noch als kleines Häkchen
in den Charts zeigen.
Die gut bezahlten Bankanalysten haben meist selbst keine erfolgreichen
eigenen Depots, aber feste Meinungen, zusammengefasst: An den Börsen
ist die Risikobereitschaft der Investoren jedenfalls vorerst einmal
deutlich zurückgegangen und die Nervosität stark angestiegen.
Gemessen wird die Nervosität anhand der Risikokennzahl Volatilität. Für
den DAX hat sich diese Fieberkurve der Investoren innerhalb weniger
Tage mehr als verdoppelt und mit fast 40 Prozent den höchsten Wert seit
Oktober 2011 erreicht. Auch an den US-Märkten ist das Fieberthermometer
stark angestiegen.
Bemerkenswert ist dabei die Geschwindigkeit des Anstiegs. Der
wöchentliche Anstieg fiel dabei so stark wie seit 10 Jahren nicht mehr
aus.
Frage also: Sind das die Vorboten einer längeren Durststrecke an den
Aktienmärkten oder hat das Kursgewitter die Situation an den Märkten
bereits bereinigt, sprich sind Aktien inzwischen wieder preiswert?
In der Spitze verlor der DAX von seinem Rekordhoch bis zu 24 Prozent
seines Wertes. Aktien haben sich damit verbilligt, sind aber immer noch
nicht preiswert, sondern im historischen Vergleich durchschnittlich
bewertet. Alternativlos sind Dividendenpapiere für viele auch nicht.
Denn wer in kürzester Zeit über 20 Prozent Kursverluste hinnehmen muss,
verzichtet vorerst lieber auf Aktienengagements.
Vor allem die Profi-Anleger und großen Geldverwalter sind gesetzlich
gezwungen, ihr Risikoprofil den aktuellen Marktgegebenheiten
anzupassen. Im Klartext: Sie müssen oft dann verkaufen, wenn alle
verkaufen. Das verstärkt den Trend in beide Richtungen.
Hinzu kommen die exorbitant hohen Kreditengagements bei Aktienkäufen in
den USA und China. Als am „Schwarzen Montag“ die Börsen rekordtief in
die Knie gingen, lagen an der US-Börse nur etwa 4 Prozent aller Aktien
im Plus. Einen derart breiten und umfassenden Ausverkauf hat es seit 50
Jahren nicht mehr gegeben. Wer kann sich daran noch erinnern? Was wir
aber wissen: Nach jedem Ausverkauf hat es hinterher viel höhere Kurse
gegeben.
Fazit:
Eine Zinserhöhung findet vorerst nicht statt. Die Zinsen bleiben extrem
niedrig. Es bleibt genug Geld zum Investieren. Das ist nicht schlecht
für die Wirtschaft, welche die Zeit zudem nutzt, sich anzupassen. Ob
nun Null- oder Negativ-Zinsen, für uns Kapitalanleger bleiben Aktien
wirklich alternativlos. Daran ändert sich vorerst nichts – außer dass
wir jetzt günstigere Einstiegskurse haben.
Und sollte der DAX uns den Gefallen tun, unter 9‘000 Punkte zu fallen:
Das wäre dann die letzte Chance für einen kurzfristigen Gewinn bis auf
12‘000 Punkte, unser aktuelles Kursziel.
Ihre Geldbrief-Redaktion
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